Arthrose – Eine Volkskrankheit Teil 3.

Teil III. : Operative  Behandlung=> -Möglichkeiten -Grenzen – Perspektiven

In Deutschland leiden Millionen von Menschen unter Arthrose. Bei steigender Anzahl von Behandlungsfällen und steten Bemühungen um Arthrose Prävention  und um die Optimierung  konservative  Maßnahmen gibt es natürlich auch eine Zunahme der „operativen“ Verfahren.

An der Tendenz zunehmender Operationen mit  sich der fast halben Million nähernden Anzahl  jährlicher künstlichen Gelenksersatzesoperationen , sowie auch einer steigenden Anzahl von unterschiedlichen gelenkserhaltenden Operationen sieht man das Bemühen der Orthopädischen Chirurgen dieser Volkskrankheit adäquat entgegen zu treten. Die „ Arthrosis deformans“  beschreibt  „ das altersübliche Maß und biologischen Altern übersteigende Verlust an Knorpelgewebe eines Gelenkes“. Problem stellt in der Diagnosestellung grundsätzlich immer die Definition der Stadieneinteilung (Grad 1-4 der Knorpelschädigung), sowie die Findung der richtigen individuell adäquate Zeit-/Stadien orientierte Therapiekonzepterstellung  dar. Dabei müssen gerade bei absehbarer Progredienz der Erkrankung neben der konservativen, immer auch die operativen Möglichkeiten einbezogen werden. Folgende grundsätzliche Einstellung sollte bei der Entscheidungsfindung von Arzt und Patienten dabei immer beachtet werden. Sind die durch konservative Behandlungsmethoden nicht mehr ausreichend zufrieden stellende  Behandlungseffekte zu erreichen, müssen Operationen zur perspektiven Verbesserung der Lebensqualität erwogen werden. Dauerschmerzen, stark reduzierte Beweglichkeit und  eingeschränkte Belastbarkeit mit  Zunahme der Risiken bei konservativen Maßnahmen müssen die Hauptkriterien hierzu sein! Eine Operation zu vermeiden oder nach Möglichkeit lange hinaus zu zögern, sollte aber immer das oberste  Ziel von Arzt und Patienten sein. Operationen können eingesetzt werden, um Symptome zu verbessern, die Funktionsfähigkeit eines Gelenkes zu erhalten, ein Gelenk zu versteifen oder ein Gelenk völlig zu ersetzen. Man unterscheidet bei der operativen Therapie der Arthrose grundsätzlich zwei Arten von Vorgehensweisen mit einem prinzipiellen Vorsatz: Gelenkerhaltende Operationen vor  Gelenkersetzende Operationen.

Gelenkerhaltende Verfahren: Man unterscheidet dabei zwischen so genannten minimal-invasiven Eingriffen und Eingriffen am offenen Gelenk. Bei der sog.  „Schlüsselloch-Technik“ ist neben der direkten lokalen Diagnostik sofort die Gelegenheit gegeben das Gelenk zu reinigen (Gelenkslavage ) und dabei abgestorbene Knorpel- und Knochenzellen, aber auch Entzündungszellen aus dem Gelenk zu entfernt . Bei der Gelenktoilette (Debridement)  werden mittels  vorsichtigen Abtragen kranke Knorpelanteile(Chondroplastik), knöcherne Anbauten und auch Weichteilelementen versucht eine  angepasste „normale „ Gelenksfunktion unter anatomisch/physiologischen  Bedingungen wiederherzustellen.  Bei andern Techniken werden mittels „Anfrischung“ der Knorpel / Knochenoberfläche (Pridie-Bohrung / Abrasionstechniken / Mikrofractioning, etc.)  winzigen Blutungen aus dem Knochen provoziert um so genannten Stammzellen aus den Blutungen zu gewinnen, die sich auf den Knochen auflagern um sich dann zu „neuem „Knorpel“ umzuwandeln.

Karbonfaserstift-Implantation und Knorpel-Knochen-Transplantation dienen dazu den körpereigenen Knorpel des Gelenks zu stabilisieren oder zu transplantieren um eine optimalere biomechanische Funktion  des Gelenkes zu erlangen. Bei der körpereigenen Knorpelzellen-Transplantation  wird  Knorpelteile entnommen um nach einer externen laborchemischen Zellkulturvierung  in einer zweiten OP wieder eingesetzt zu werden.  Diese neuen potenten Knorpelzellen werden in einer „speziellen biologischen Matrix“  wieder eingebettet um dann zu neuem funktionsfähigen Knorpel  heranzureifen. Bei einer Gelenkumstellung( Umstellungsosteotomie) werden die mechanischen Achsen und der Kraftverlauf so verändert, dass die gesunden Gelenkanteile belasten und die geschädigten Anteile entlastet werden. Die operative Gelenkversteifung  stellt keine eigentliche Arthrosetherapie da, sondern schafft über die schmerzfreie Bewegungseinschränkung nur ein Symptom Bereinigung auf Kosten andere verlorenen Eigenschaften. Gentechnische Verfahren sind noch im experimentalen Verfahren und bedürfen sicher noch mehrere Jahre der Entwicklung  und bieten dann auch noch ausreichend ethisch-moralische, wirtschaftlichen Diskussionsstoff.

Gelenkersetzende Verfahren:  – Die absolut letzte Maßnahme in der Arthrosetherapie ist der Einsatz eines künstlicher Gelenkersatzes (Endoprothese). Über die Frage, ob ein Gelenkersatz angebracht ist, entscheiden neben den Beschwerden und zurückliegenden Krankheitsverlauf vor allem der Leidensdruck des Patienten und nicht (wie zu oft) allein das Röntgenbild. Die Haltbarkeit der künstlichen Gelenke liegt je nach Gelenk im Schnitt um die 12-15 Jahren. Neue Materialien und  Implantationsverfahren werden kontinuierlich erforscht und folgend vermehrt eingesetzt unter der Prämisse einer möglichst langen Standzeit. Auch Teilprothesen und minimale modernere Oberflächenersätze  kommen ebenfalls vermehrt zum Einsatz. Fast alle Gelenke können heute operationstechnisch bedient werden und gehören bei sorgfältiger Abwägung der Risiken und Erfolge zum Handwerk der meisten  Orthopädischen Chirurgen. Ob eine Operation  gelenkserhaltend oder ersetzend ist, so gilt es ärztlicherseits stets immer dem Patienten richtig zu beraten und auch die „richtige“Therapie altersbedingt und lebensorientierend einzusetzen. Auch muss mittels einer  „Arthrose Schulung“  die typischen Verhaltensmaßnahmen im Alltag (Beruf und Freizeit) nahe gebracht werden um auch den eigentlichen operativen Erfolg auf Dauer zu halten.  Weitere Infos direkt auch beim Autor:  seita@palma-clinic.com  und/oder  unter :  http://www.arthrose.de

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